Ziele und Inhalte
In den letzten Jahren finden vermehrt wissenschaftliche Untersuchungen an Grünfassaden statt, die sich jedoch häufig auf die Ermittlung bestimmter Leistungen an spezifischen Systemen konzentrieren. Eine Untersuchungsmethodik, um Leistungsmerkmale von Grünfassadensystemen hinsichtlich deren konstruktivem Wärmeschutz, der resultierenden Gebäudeenergiebilanz und des Innenraumklimas, sowie die Effekte auf die Umgebungsbedingungen (Mikroklima, Lärmschutz, Biodiversitätsförderung) zu erheben, gibt es bislang nicht. Die Wirkpotenziale von Grünfassaden sind zudem stark von System- und Pflanzenart abhängig und variieren im jahreszeitlichen Verlauf. Im Rahmen dieses Projektes sollen, mittels eines umfangreich mit Messtechnik ausgestatteten Mock-Ups, verlässliche Kenngrößen der (stadt-) bauphysikalischen Parameter im Jahreszeitenverlauf charakteristischer Fassadensysteme ermittelt werden. Der ökologische Wert der Systeme für die heimische Flora und Fauna ist eine zusätzliche Messgröße. Insgesamt sollen vier Grünfassadensysteme bemessen werden, die für den deutschsprachigen Markt repräsentativ sind. Indem die Systeme jeweils konventionell und biodiversitätsfördernd bepflanzt werden, ist die Gegenüberstellung von acht spezifischen Grünfassaden möglich. Die gleichzeitige messtechnische Erhebung bodengebundener Begrünungssysteme sowie wandgebundener Living-Wall-Systeme ermöglicht die Gegenüberstellung der Systemleistungen hinsichtlich ihres Potenzials zur Klimaanpassung und Biodiversitätsförderung sowie deren bauphysikalischen Nutzen.
Ziel des Vorhabens ist es, die Leistungsmerkmale verschiedener Grünfassadensysteme im Jahresverlauf systematisch zu erfassen. Die Ergebnisse sollen zeigen, wie Klimaanpassung, Wärmeschutz und Biodiversität durch Systemart, Bepflanzung und jahreszeitliche Bedingungen beeinflusst werden. Im Ergebnis entstehen Richtwerte und Arbeitshilfen für die Planungspraxis. Gleichzeitig wird die Bewertung von Grünfassaden um bauphysikalische und ökologische Aspekte erweitert, sodass bestehende Wissenslücken geschlossen werden. Damit soll der Einsatz von Fassadenbegrünung als naturbasierte Klimaanpassungsmaßnahme gestärkt werden.